• Joan Hinterauer

Erst transformieren wir den Chef, dann agilisieren wir die Leute.

Der Titel dieses Beitrages ist beabsichtigt wissenschaftlich unkorrekt. Vor einigen Tagen habe ich einer Stellenanzeige folgenden Satz gelesen: "Sie sind zuständig für die Implementierung einer agilen Kultur und eines agilen Mindset bei den Mitarbeitern”. Dieser Satz steht exemplarisch für große Teile der agilen Massenbewegung.

Da meldet sich Oben an unten: “Macht uns mal agil. Implementiert Agilität. Wir (hier oben) tragen in Zukunft manchmal in der Öffentlichkeit Jeans. Das ist unser Beitrag”.


Diese Perspektive ist natürlich völlig verfehlt. Weder Unternehmenskulturen noch Mindsets lassen sich gezielt implementieren. Beides unterliegt der mitunter größten Herausforderung in Firmen, einer tiefgängigen Transformation. Der Prozess lautet im Wesentlichen: anders/neu Handeln - Reflektieren und mit dem Zielbild vergleichen - wieder anders/neu Handel …, dass möglichst mit der gesamten Belegschaft in regelmäßigen Abständen. Nicht zu vergessen mit Konsequenz in der Umsetzung.


Soviel vorab. Im letzten Beitrag der Blogreihe rund um den Handelsblatt Artikel (Warum immer mehr Chefs ihre Mitarbeiter entscheiden lassen) behandelte ich verschiedene Reifegrade in agilen/selbstorganisierten Unternehmen. Meine Erkenntnis ist, dass sich der Reifegrade am besten an den Entscheidungen ablesen lässt. Mit besonderem Augenmerk auf Strategiebeschlüsse. Aber lesen Sie selbst: Reifegrade in agilen/selbstorganisierten Unternehmen.


Unsere bisherigen Beispiele (Tele, Hema, Heiler) sind mittelständische Unternehmen. Sie haben zwischen 50 und 120 Mitarbeiter. Dieser Artikel befasst sich mit der Übertragung der bisherigen Erkenntnisse aus der Blogreihe auf Großunternehmen und Konzerne. Spätestens seit sich Daimler Chef Zetsche 2016 medienwirksam vor die Kameras setzt und die Schwarm-Transformation ausruft, ist das Thema bei den Großen angekommen. Wer genau hinhört, entdeckt wieder eine vergleichbare Formulierung wie in der Einleitung:

>>Wir stellen uns vor (Anm.: vermutlich die Oben?), dass wir rund 20% der Mitarbeiter auf Schwarm-Organisation umstellen”.<<

Statt implementieren wurde hier umstellen gewählt und gleich noch mit einer Kennzahl versehen.


Was will Daimler, was wollen andere “Agile-Pioniere” im Konzernumfeld damit erreichen. Geht es Ihnen wirklich um mehr Agilität und Selbststeuerung über die gesamte Firma hinweg? Dort erkenne ich eher die Absicht, den Mitarbeitern an der Basis mehr Freiheiten einzuräumen, um eine nötige Produktivitätssteigerung im operativen Geschäft zu erreichen.

Die Top-Entscheider in diesen Unternehmen haben kein Interesse sich selbst zu ändern. Das ist allerdings die Voraussetzung für eine wirksame Transformation. Sie betrifft auch und gerade die Chefs. Alles andere ist unwirksame verordnete Top-Down Agilität. Die erleben wir alle in diversen Konzept- & Methodenhypes in den Social Media Streams mit.



Photo by Maryna Yazbeck on Unsplash

Ich sehe hier ein großes Risiko für das Geschäftsmodell der Trendsurfer. Lassen sie die Menschen an der Basis, anfangen, anders zu arbeiten, öffnen sie, häufig unbewusst, die sprichwörtliche Box der Pandora.


Die Leute riechen Lunte, wie ein selbstgesteuertes Arbeiten aussieht. Das führt früher oder später zu erheblichen Konflikten (Kündigungen) an den Schnittstellen zur "alten" Organisation. So bleibt auch die erwartete Produktivitätssteigerung aus.

In diesen Firmen passiert, außer oberflächlicher Bewegung, nicht viel.

In allen mir bekannten Beispielen, war immer die persönliche Entwicklung der obersten Entscheiderebene die Voraussetzung für eine tiefgängige und nachhaltige Transformation des Unternehmens.

Aufgrund dieser Erkenntnis biete ich gemeinsam mit Gebhard Borck die Perspektivreise an. Wir eröffnen dort für Entscheider ein gesamtheitliches Bild ihrer Firma ohne formale Hierarchie. So kommen sie in die nötige Klarheit, um zu entscheiden, ob sie selbst als Mensch und mit ihrem Betrieb diese Entwicklung angehen wollen.


Es gibt, gerade in nicht-inhabergeführten Unternehmen, noch einen wesentlichen Grundkonflikt. Agilität, Selbstorganisation und Selbststeuerung leben in ihrer Effizienz und Effektivität zentral davon, den Markt (Kunden, Wettbewerb, Gesetzgebung, Verbände …) als Kompass in den Fokus zu rücken. Das Unternehmen steuert sich so von außen nach innen. Der Markt ist demnach der verbleibende formale Chef, der Taktgeber und Kontrolleur.

Doch wie verträgt sich das mit den gesetzlichen Rechten und Forderungen der Shareholder?

Ich lasse Sie mit dieser abschließenden Frage alleine. Denken Sie drauf herum. Ah, warten Sie, hier noch ein angrenzendes Thema: Wenn Sie berücksichtigen, dass die Chefs in den Konzernen sich nicht an der Transformation beteiligen, dass Entscheider davon ausgehen Agilität als Kultur & Mindset zu implementieren und dass die Shareholder Selbstorganisation nicht die Bohne interessiert - Welche Chancen einer gelungenen Transformation geben Sie den Big Playern?


In Zusammenhang mit agilen Transformationen bei Großunternehmen propagieren immer wieder Berater, die Graswurzelbewegung bzw. das Bottom-up Prinzip als zielführende Herangehensweise. Warum ich dem widerspreche, trotz eines erfolgreichen Falles, den ich Ihnen vorstellen werde, lesen Sie in meinem nächsten Beitrag.


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Joan Hinterauer



Das Aktivistencamp ist ein Angebot an Menschen, die in Ihrer eigenen Firma oder bei Ihren Kunden die Transformation zu neuen Führungs- und Zusammenarbeitsmodellen vorantreiben. Im Fokus steht dabei die Umsetzung einer Betriebswirtschaft mit Menschen und die Entwicklung der eigenen individuellen DNA Ihrer Firma (bzw. die Ihrer Kunden) - Als Ausgangsbasis für eine gezielte zukunftsfähige strategische Ausrichtung. Sie haben im Aktivistencamp die exklusive Möglichkeit 3 Tage mit Wirtschaftsvordenker und Bestsellerautor Gebhard Borck zu verbringen. Er experimentiert nicht mehr, er hat bewiesen, dass es geht (siehe Buch "Chef sein? Lieber was bewegen!" : Buch kaufen). Mit seinen Denkwerkzeugen bringt er Sie in die Lage die Zukunft Ihrer Firma oder die Ihrer Kunden gezielt zu entwickeln. Sie müssen sich nicht länger auf den Zufall oder auf die Ratschläge von Buzzword-Beratern & Kollegen verlassen. Dabei unterstützt wird er von Joan Hinterauer, der seinerseits den inspirierenden Rahmen zum Wissensaustausch sicherstellt. Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Aktivistencamp: www.aktivistencamp.de Darüber hinaus bieten wir exklusiv für Unternehmer/innen die Perspektivreise an. Ein 5-tägiges Intensivformat, indem Sie sich in Ihre eigene Klarheit begeben hinsichtlich der Zukunft Ihrer Firma. Mehr dazu finden Sie unter: www.perspektivreise.de



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© 2017 - 2019 von Joan Hinterauer, Salzburg (AT) & Gebhard Borck, Pforzheim (DE)

        

Bei Fragen kontaktieren Sie uns bitte via loslegen(at)aktivistencamp.de

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