• Joan Hinterauer

Per Unterschrift zum agilen/selbstorganisierten Unternehmen - Macht das Sinn?

Aktualisiert: 14. Feb 2019

Im ersten Beitrag der Blogreihe teilte ich letzte Woche meine Erfahrungen mit den verschiedenen Ausgangslagen bei Transformationen. Ich identifizierte folgende Situationen:

  • Existenzielle Krisen

  • Nachfolge

  • Persönlich prägendes Ereignis beim Inhaber/Inhaberin

  • Gründung eines neuen Unternehmens

Der letzte Punkt weicht von der Transformation bestehender Unternehmen ab. Der Unterschied wird über eine weitere Aussage aus dem Handelsblatt Artikel deutlich:

>>Auf dem Papier sind Zeiler und Siefer zwar noch Geschäftsführer, aber keiner der rund 20 Mitarbeiter ist mehr an ihre Weisungen gebunden. Das haben die Gründer unterschrieben. „Anfangs gab es absolutes Chaos und viele Diskussionen, wer was entscheidet“, gibt Zeiler zu. Viele Einhörner fühlten sich zudem verloren mit der neuen Verantwortung. „Sonst kann man sich über den Chef beschweren. Heute heißt es: Wenn dir etwas stinkt, mach es doch selbst!“<<

Waldemar Zeiler, der Gründer der einhorn products GmbH, reduziert die Freilassung der Eigenverantwortung auf den Akt der unterschriebenen Weisungsabgabe. Von einem Moment auf den anderen, standen die Menschen in der vollen Verantwortung für das Unternehmen. Ist diese Radikalität nötig? Bei einem Startup mag es vielleicht noch funktionieren, diesen Schritt lapidar per formaler Freigabe zu vollziehen. Bei einem gesetzteren Unternehmen, entstehen aus so einer Hemdsärmlichkeit erhebliche Probleme. Manchmal bis hin zur Existenzgefährdung.


Neben Waldemar Zeiler kenne ich auch traditionelle Mittelständler, wie z.B. Tele-Haase in Wien, die diese Vorgehensweise gewählt haben. Die Menschen gehen dort einen ähnlich mutigen Weg. Ich selbst kenne die Idee der Unterschrift aus meinen Anfangstagen als Holacracy Coach. Holacracy Gründer Brian Robertson empfiehlt genau diese Vorgehensweise.

Ich selbst fand bei entsprechenden Implementierungen heraus: Auf diese Weise Ergebnisse zu erreichen, gleicht einem Glücksspiel. Dabei gibt es Wege, auch in diesem Schritt verantwortungsvoll mit Mitarbeitern* umzugehen.

Photo by Helloquence on Unsplash

Beispiele wie es anders geht, sehen wir in Transformationen wie etwa bei Hema-Sägen oder Heiler Glas. Im Vergleich fällt zuerst auf, wie viele Mitarbeiter mehr Tele-Haase verloren hat. Diesen Indikator halte ich für sehr wichtig. Er gibt Aufschluss darüber, ob die Richtung der Transformation mehr eine Top-Down-Nötigung als ein gemeinsamer Weg der gesamten Belegschaft ist.

Wenn Sie die Möglichkeit haben, dann rate ich Ihnen zu letzterer Variante. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter, so früh wie möglich, den Prozess mitgestalten. Damit bleiben die Widerstände gering, die Ergebnisse sind nachhaltiger und die Geschäftsführung schläft ruhiger.


Der Weg jeder einzelnen genannten Firma ist einzigartig. Jede Variante gibt uns die Möglichkeit zu lernen. Ich lernte aus den vielen Gesprächen und Recherchen der letzten Jahre: Es gibt unterscheidbare Reifegrade.


Anhand eines Indikators lässt sich die Reife einer Organisation ohne formale Führung klar abgrenzen – an ihrem Umgang mit strukturellen und strategischen Entscheidungen. Ich verstehe etwa eine Prozessveränderung als strukturelle Entscheidung. Während die Erschließung eines neuen Marktes für mich ein strategisches Thema ist, an dem sich das gesamte Unternehmen in Zukunft orientieren sollte.


Im nächsten Beitrag gehe ich näher auf den Zusammenhang der verschiedenen Reifegrade anhand dieser Unterscheidung ein. Wir werden herausfinden, warum die Delegation von Entscheidungen nur bedingt optimal ist. Und wie es langfristig gelingt Demokratie in der Firma zu leben, ohne dabei in die lähmende Falle der Basisdemokratie zu tappen.


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Gebhard Borck & Joan Hinterauer


Das Aktivistencamp ist ein Angebot an Menschen, die in Ihrer eigenen Firma oder bei Ihren Kunden die Transformation zu neuen Führungs- und Zusammenarbeitsmodellen vorantreiben. Im Fokus steht dabei die Umsetzung einer Betriebswirtschaft mit Menschen und die Entwicklung der eigenen individuellen DNA Ihrer Firma (bzw. die Ihrer Kunden) - Als Ausgangsbasis für eine gezielte zukunftsfähige strategische Ausrichtung. Sie haben im Aktivistencamp die exklusive Möglichkeit 3 Tage mit Wirtschaftsvordenker und Bestsellerautor Gebhard Borck zu verbringen. Er experimentiert nicht mehr, er hat bewiesen, dass es geht (siehe Buch "Chef sein? Lieber was bewegen!" : Buch kaufen). Mit seinen Denkwerkzeugen bringt er Sie in die Lage die Zukunft Ihrer Firma oder die Ihrer Kunden gezielt zu entwickeln. Sie müssen sich nicht länger auf den Zufall oder auf die Ratschläge von Buzzword-Beratern & Kollegen verlassen. Dabei unterstützt wird er von Joan Hinterauer, der seinerseits den inspirierenden Rahmen zum Wissensaustausch sicherstellt. Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Aktivistencamp: www.aktivistencamp.de

Darüber hinaus bieten wir exklusiv für Unternehmer/innen die Perspektivreise an. Ein 5-tägiges Intensivformat, indem Sie sich in Ihre eigene Klarheit begeben hinsichtlich der Zukunft Ihrer Firma. Mehr dazu finden Sie unter: www.perspektivreise.de


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© 2017 - 2019 von Joan Hinterauer, Salzburg (AT) & Gebhard Borck, Pforzheim (DE)

        

Bei Fragen kontaktieren Sie uns bitte via loslegen(at)aktivistencamp.de

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