• Joan Hinterauer

Verteilungs-Technologie ist die Grundlage für eine neue Wirtschaftsform.


Der letzte Beitrag der Blogreihe rund um den Handelsblatt Artikel (Warum immer mehr Chefs ihre Mitarbeiter entscheiden lassen) behandelte Personalverantwortung, die von Teams übernommen wird. Ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zum selbststeuernden oder auch agilen Unternehmen. Die größte Herausforderung ist dabei nicht der Einstellungsprozess, sondern vielmehr die Trennung von einem Mitarbeiter. Zudem habe ich beleuchtet, wie Sie erkennen können, ob/wie Ihnen ein Berater wirklich weiterhilft. Dazu finden Sie einige Kriterien im Beitrag. Aber lesen Sie am besten selbst: Teams übernehmen Personalverantwortung & Wie man die Berater-Spreu vom Weizen trennt

Anknüpfungspunkt zum letzten Artikel ist folgende Aussage im Handelsblatt Artikel:


Einhorn berät auch Mittelständler und Konzerne – von der Brauerei Ottakringer bis zum Softwarehersteller SAP – über cheflose Führung. Viele sind skeptisch, ob das auch mit mehreren Tausend Leuten funktioniert. Zeiler glaubt ja: „Denn in Zukunft werden Konzerne aus einem Ökosystem vieler kleiner Einheiten bestehen, die zusammenarbeiten.“

Ich schließe mich auch der Meinung an, dass große Firmen ohne formale Hierarchien bestehen können. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Organisation in der neuen Kultur zu stabilisieren. Ansonsten reichen oft Kleinigkeiten und das gesamte System kippt zurück in die alten Muster. Obwohl ich kein großer Befürworter von viel Technologieeinsatz im Transformationskontext bin, sehe ich dort eine große Chance. Wenn wir die grundlegenden betriebswirtschaftlichen Mechanismen auf "neue" dezentrale technologische Füße stellen, können auch große Unternehmen im neuen Paradigma stabilisiert werden. Diese Herausforderung hängt direkt mit Verteilung und Eigentum zusammen, wie die Absicht von Einhorn bereits andeutet:


Im kommenden Jahr wagt Einhorn den nächsten Schritt. Ein Prozent der Firma geht in die Purpose-Stiftung, die ein Veto hat: Einhorn darf nie verkauft werden, Gewinne bleiben im Betrieb. Die Firma soll sich selbst gehören. „Wir diskutieren gerade, wie wir die Stimmrechte unter den Mitarbeitern verteilen“, sagt Zeiler. „Denn wer bei allem mitentscheidet, soll auch den Status eines Mitunternehmers haben.“

Das ist richtig und konsequent. Ich weiß auch von ähnlichen Absichten bei Tele-Haase und der Alois Heiler GmbH. Deren Inhaber Stefan Heiler erwähnte diese kürzlich in einem Interview. Wenn die Mitarbeiter in die unternehmerische Verantwortung gehen, dann ist es folgerichtig, sie auch in dieser Rolle an der Firma zu beteiligen. Dazu gehört auch die Tatsache, dass die Firma, in der sie unternehmerisch tätig sind, nicht einfach verkauft werden kann. Ich freue mich, dass es in Deutschland auch Bewegung hinsichtlich neuer rechtlicher Rahmenbedingungen in diese Richtung gibt.


Die im vorherigen Absatz von mir erwähnte Grundlagentechnologie zur Stabilisierung der Pionierunternehmen hat ähnliches zum Ziel. Die Idee ist, eine Firma auf Basis eines neuen Einkommens-Verteilungssystems aufzubauen. Dieses System folgt einigen Grundannahmen:

  • Eigentum ist nachrangig. Anstatt die Macht in einer Unternehmung an die Eigentumsanteile zu knüpfen, sollte sie sich ihrer Entwicklung und den daran beteiligten Menschen anpassen. Das gelingt über eine Verteilung der Erträge, die immer unter den Menschen abzustimmen ist und nicht vom Eigentümer vorgegeben werden kann.

  • Kapitalgeber und Investoren werden in der Verteilung berücksichtigt, übernehmen aber keine Eigentumsanteile. Einfluss ausüben kann nur, wer sich aktiv an der Umsetzung der Unternehmung beteiligt. Formale Macht bleibt außen vor.

  • Das System verteilt nach Wertschöpfung, die in einem sozialen Prozess unter den Menschen von den Menschen vereinbart wird.

  • Das Verteilungssystem vergisst nie. In der Historie wird jeder berücksichtigt, der einmal zur Wertschöpfung beigetragen hat. Die Bedeutung des individuellen Beitrages über die Historie nimmt im Lauf der Zeit ab, verschwindet aber nie ganz.



Mein Kollege Gebhard Borck hat bereits Erfahrung mit der Verteilung nach diesem Schema. Bei seinem Venture misthos.io hat das gesamte Team im Selbstversuch auf dieser Basis zusammengearbeitet. Der “proof of concept” ist erfolgreich verlaufen. Zwar gibt es Anpassungsbedarf, gerade in Bezug auf die Frage: Was ist wertschöpfend? Doch auch darauf hat Gebhard bereits Antworten. So wird in Zukunft auch berücksichtigt, wenn jemand viel zum sozialen Zusammenhalt und Gerechtigkeit beiträgt. Ein Beitrag, der in einem ergebnisgetriebenen Leistungsumfeld heute höchstens einen warmen Händedruck zum 25-jährigen Firmenjubiläum wert ist.


In misthos.io sind bereits die Grundlagen für eine neue Verteilungstechnologie angelegt. Gebhard und ich arbeiten daran das nötige Kapital aufzustellen, um die komplette Realisierung der Verteilungstechnologie zu ermöglichen. Damit können wir die Welt ein wesentliches Stück gerechter gestalten. Gerade unter Freiberuflern könnte die Technologie auf Projektbasis sofort zur Anwendung kommen. Wenn Sie jemanden wissen der uns auf diesem Weg unterstützen kann, oder Sie selbst das tun wollen, dann kontaktieren Sie mich bitte. Es ist Zeit an der Stellschraube zu drehen.


Abschließend bedanke ich mich bei der Vorlage durch den Artikel des Handelsblatts und dessen Beteiligter. Der Beitrag ermöglicht mir auf relevante Themen einzugehen. Ich finde es großartig, dass formal hierarchiefreie Firmen mehr und mehr zum Mainstream-Thema werden. Im gleichen Atemzug ist es mir ein großes Anliegen, dass die Leser authentische und relevante Transformationen von der Agilisierung zum Zwecke bloßer Produktivitätssteigerungen zu unterscheiden lernen. Ich habe nichts gegen eine höhere Produktivität, doch für die Lösung der Probleme unserer Zeit brauchen wir Vorbild-Unternehmen, denen es um mehr geht.

Bevor ich es vergesse, stelle ich noch meine Perspektive zu Hierarchie klar:

  • Hierarchie und Führung entsteht völlig natürlich und ständig.

  • Hierarchie wird zum Problem, wenn wir sie mit formalen Berechtigungen/Positionen koppeln und dadurch fixieren. In diesem Moment stellt sich ein Mensch, gerechtfertigt durch ein Stück Papier (Arbeitsvertrag mit Stellenbeschreibung), über andere. An diesem Punkt entsteht über die Zeit zwangsläufig sinnentkoppelte Macht, mit der die wenigsten Menschen demütig umgehen können.

Ich hoffe das trägt zur Klarheit meiner Perspektiven bei.

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Joan Hinterauer


Das Aktivistencamp ist ein Angebot an Menschen, die in Ihrer eigenen Firma oder bei Ihren Kunden die Transformation zu neuen Führungs- und Zusammenarbeitsmodellen vorantreiben. Im Fokus steht dabei die Umsetzung einer Betriebswirtschaft mit Menschen und die Entwicklung der eigenen individuellen DNA Ihrer Firma (bzw. die Ihrer Kunden) - Als Ausgangsbasis für eine gezielte zukunftsfähige strategische Ausrichtung. Sie haben im Aktivistencamp die exklusive Möglichkeit 3 Tage mit Wirtschaftsvordenker und Bestsellerautor Gebhard Borck zu verbringen. Er experimentiert nicht mehr, er hat bewiesen, dass es geht (siehe Buch "Chef sein? Lieber was bewegen!" : Buch kaufen). Mit seinen Denkwerkzeugen bringt er Sie in die Lage die Zukunft Ihrer Firma oder die Ihrer Kunden gezielt zu entwickeln. Sie müssen sich nicht länger auf den Zufall oder auf die Ratschläge von Buzzword-Beratern & Kollegen verlassen. Dabei unterstützt wird er von Joan Hinterauer, der seinerseits den inspirierenden Rahmen zum Wissensaustausch sicherstellt. Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Aktivistencamp: www.aktivistencamp.de Darüber hinaus bieten wir exklusiv für Unternehmer/innen die Perspektivreise an. Ein 5-tägiges Intensivformat, indem Sie sich in Ihre eigene Klarheit begeben hinsichtlich der Zukunft Ihrer Firma. Mehr dazu finden Sie unter: www.perspektivreise.de



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© 2017 - 2019 von Joan Hinterauer, Salzburg (AT) & Gebhard Borck, Pforzheim (DE)

        

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